Freie Ton- und Bildwerkstatt: Exposure Electronics X (1990) (2024)

Exposure Electronics X (1990)

zuletzt verkauft (2012) für 638,- €
...Seltenheit...

Revision:

  • Erneuerung aller Elektrolyt-Kondensatoren
  • nach Bedarf neue Zener-Dioden
  • Abgleich Netzteil
  • Kompensation Masse/Erde-Offset mit weicher koppelung
  • auf Wunsch Einschaltverzögerung mit Plopp-Unterdrückung
  • Auf Wunsch Endstufen-"rail filter"
  • Abschaltung Strombegrenzung (kann auf Wunsch unterbleiben)

Eigenschaften:

  • Gehäusedeckel Alu lackiert -Front- und Rückseite mit gelb aufgedrucktem Schriftzug
  • wahlweise Phono MM oder MC-Platine (auch Sonderanpassungen möglich)
  • 3Line Eingänge
  • Tape Schleife
  • Stabilisierte Endstufen-Versorgung mit Holden&Fisher-Ringkerntrafo
  • 2x 35W@8Ω
  • Quellwahl-Druckschalter
  • Tape-record Druckschalter

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Beschreibung

Mein Lieblings-Klassiker, das Gerät mit dem ich ins Detail eingestiegen bin - weil es schier unglaubliche Qualitäten aus einer unscheinbaren Schaltung holt.
Der Exposure X ist für mich das Über-Beispiel, wie man eine Disziplin zur Meisterschaft bringen kann, wenn man sein Thema lange Jahre vertieft. Diese Konstruktion John Farlowes zeigt, wie es gemacht wird:

  • mustergültig sauberer Aufbau in einem staubfrei hermetisch geschlossenen Gehäuse
  • durchdachte Versorgung und Masseführung
  • die komplette Schaltung wird in allen Stufen auf immer wieder die gleiche Grundschaltung gestützt, das Besondere ist eher die Versorgung.

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Was fällt auf?

Das Gerät hat sechs (!?) Leistungstransistoren. Aber nur zwei Lautsprecheranschlüsse.
Des Rätsels Lösung:
Die mittleren zwei Transistoren haben nichts weiter zu tun, als die Betriebsspannung für die beiden Endstufen konstant zu halten - ohne jegliche Strombegrenzungsmaßnahmen. Daher ergibt sich hier ein extrem niedriger differenzieller Netzteil-Innenwiderstand und daraus wieder eine schier unglaubliche Laststabilität. Nicht dass der Verstärker daraus eine besonders niedrige Ausgangsimpedanz ableitet - das ist hier gar nicht gewollt, im Gegenteil, es sind dem Lautsprecherkreis sogar 0,22Ohm-Widerstände in Reihe geschaltet um das Gerät in alle Lebenslagen in der Balance zu halten und einen breitbandig konstanten Dämpungsfaktor von ca. 30 zu erzeugen - und um den Lautsprecher abzusichern.

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Aber was immer das Gerät an dieser Versorgung tut, es tut es innerhalb seiner gesamten Leistungsbandbreite gleichmäßig frequenzunabhängig.
Der Nachfolger Exposure XV ist ein wenig rauschärmer als dieses Gerät, der X ist vielleicht nicht optimal für Hochwirkungsgrad-Lautsprecher, da hört man ihn in sonstiger Stille deutlich ein leises Zischen. Was also den statischen Störspannungsabstand angeht ist das Gerät nichts für penible Datenblatt-Fetischisten.
Das leise Herumstehen ist seine Stärke nicht.

Aber lassen wir mal Musik an den Eingang, dann kommt die Überraschung. Locker, atmend, gewaltiger "Durchzug", farbig.
Klar hat der Konstrukteur sich etwas dabei gedacht, als er ihn rauschen ließ, man bekommt bei der Konstruktion eines Gerätes nichts geschenkt. Man muss dabei mit wenigstens einem Dutzend Parametern jonglieren. Das Ziel ist eine ausgeglichene Konstruktion. Ohne ungleich höheren Aufwand zu betreiben kann man in einer solchen Standard-Topologie nämlich keine einzelnen Parameterverbessern, ohne andere zu verschlechtern.
Mit mehr Gegenkopplung rauscht er zum Beispiel nicht mehr so, klirrt auch weniger.
Und spielt auch keine Musik mehr, er klingt dann wie ein billiger Japan-Verstärker.
- Tja, alles schon getestet, dazu braucht man nur einen Transistor mit höherer Stromverstärkung in der Spannungsverstärkerstufe einzusetzen.

John Falowe sagte mir bei einem Besuch in Portslade 1990 zum Exposure X (den XV gab es noch nicht...): "gegen das Rauschen mache ich nichts, die Wahrheit sieht man hier: mit weniger Rauschen gehen die TIM-Verzerrungen deutlich hoch"...und deutete auf seinen Messplatz. Zum Einschaltplopp des Exposure X gefragt, sagte er "take it or leave it" - er müsse da ja dann ein unzuverlässiges Relais einbauen und außerdem (mit Blick auf seinen Endabnahmeplatz) seien an diesen beiden Lautsprechern alle je gefertigten Exposure X schon mal eingeschaltet worden - und die Lautsprecher funktionierten immer noch...
Wichtig wären für Ihn Bauteile erster Wahl, saubere Handlötung mit anschließender Ultraschallreinigung, ein zuverlässiges Konzept mit ausgefeiltem Leiterbahn-Routing an einem extrem hochwertigen Netzteil...
Seine Einstellung zur Sache wird dadurch vielleicht ein wenig klar.

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Das ganze hält sich in den hermetisch Staub-dichten Exposure-Gehäusen übrigens extrem sauber und dauerhaft, ein solches Gerät sieht auch nach 20 Jahren innen noch aus wie gerade gefertigt, wenn man mal von den paar etwas wärmeren Stellen auf der Platine absieht. "Kalte" (also lockere) Lötstellen - Fehlanzeige. Kühlung - die Wärme wird einfach an die Gehäusewanne abgeben.

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Was das Gerät zusätzlich ganz besonders auszeichnet, ist die hervorragende Phonostufe.

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bestückt mit einer JFET-modifizierten MM-Preamp-Platine

Die Zusatz-Platine hinten an den Eingangsbuchsen ist übrigens nur ein Impedanz-angepasster linearer Vor-Vorverstärker mit 2,4facher (MM) bzw. 40facher (MC) Verstärkung. Entzerrung und Line-Verstärkung erledigt der Schaltungsteil davor auf der Hauptplatine.

Änderungen

Beim Exposure X gibt es eigentlich nichts zu "tunen". Nach Jahren sind natürlich wie überall die kleinen Elkos verschlissen, hier benutze ich meine Lieblingsmarke Panasonic (FC/FM) wie gehabt. Aber es wird nirgends ein Wert geändert. Ich gehe übrigens davon aus, dass Herr Farlowe dieselben Kondenstor-Typen wie ich wahrscheinlich bereits selbst eingesetzt hätte, wären diese zur Kiellegung schon erhältlich gewesen. Die axialen Typen wurden hier übrigens zeitweise mit hochwertigsten axialen 105°C Evox-Rifa-Typen ersetzt, recht teuer, aber mit ihrem halbierten ESR ideal für die Anwendung im Leistungs-Netzteil-Bereich. Das macht sich auch klanglich sehr positiv bemerkbar.
Bei diesem Exemplar kamen zum ersten Mal in der Ausgangs-Stützung des geregelten Endstufen-Netzteils nagelneue Nichicon Fest-Elektrolyten zum Einsatz, diese haben laut Datenblatt eine sehr gute Haltbarkeit, doch vor allem einen extrem geringen Ersatzwiderstand und halten die Endstufe zu schon rein passiv besser "auf dem Boden" denn je. Und ich finde, sie klingen auch besser an dieser Stelle.

Ein alter "Pferdefuß" des Konzepts ist die völlige Trennung von Ein-und Ausgangs-Masse, gekoppelt sind die beiden Teile nur über die Spannungsversorgung und so entsteht ein Teil des Rauschpegels zwischen den Massen - doch das war gewollt. Unangenehm ist allerdings folgendes dabei: man mag den (erwarteten) Einschalt-Plopp gerne hinnehmen, so ein Gerät schaltet man ja ohnehin nicht dauernd ein und aus (...an lassen, Windstrom kaufen, der frisst gerade mal maximale 15W, ist aber dann auch immer spielbereit ohne Aufwärmphase - verschleißt auch nicht durch häufige 100fache Stromstöße...) . Nein, es bildet sich je nach individueller Strom-Symmetrie auch ein Potenzial-Unterschied zwischen Ein- und Ausgangsmasse. Bei diesem Exemplar habe ich den Fehlstrom (ganze 40µA) ausgemessen und kompensiert, so dass die Massenpotentiale jetzt nur noch ein paar Millivolt voneinander abweichen. Damit passiert es dann nicht mehr, dass man beim Herumstecken an den Chinchkabeln bei jedem versehentlichen Berühren zwischen Gehäuse und Cinch-Außenmasse nochmals einen (unerwarteten) Plopp geboten bekommt. Damit sich das ganze schnell einschwingt, habe ich die Massen noch mit antiparallelen Dioden und einem 10kOhm-Widerstand gekoppelt, das führt zu einem schnellen Normalisieren auf 0V Differenz - und schützt auch bei externen Potentialverschleppungen die Regelung.

Was dabei nicht verschwindet, ist der große Plopp - wen der wirklich stört, dem kann ich noch eine der Platinen spendieren, die ich damals für den deutschen Vertrieb gemacht habe. Die halten eine Weile nach dem Einschalten noch die Endstufen abgeschaltet, indem sie die Eingangs-Konstantstromquellen per Relais kurz schliessen. Bei der verzögerten Freigabe der Konstantstromquellen mag der prellende Kontakt und der unsymmetrische Anlauf der Stufe noch einen kleinen Knacker hervorrufen, dass aber je nach Box die Schwingspule kurz an die Polplatte gezogen wird, kommt definitiv nicht mehr vor.
Anderer Vorschlag: lassen Sie einfach am Verstärker die Plus-Anschlüsse des Lautsprecher-Kabels gezogen, während sie schalten. Wenn Sie das Gerät wie empfohlen laufen lassen, dann ploppt da ja nie was - der einzige Fall wäre ein Stromausfall - beim Ausschalten ist der Plopp aber kleiner als beim Einschalten - und bevor der Strom wieder eingeschaltet wird, kann man ja den Verstärker dann aus machen und erst später mit abgezogenem Kabel wieder "online gehen".
Entschädigt werden Sie für diese umständliche Handhabung immerhin mit einem unschlagbar guten Klang für diese Preisklasse. Exposure Xer oder XVer bekomme ich nur selten und dann habe ich sie meist auch nicht lange - wer so etwas besitzt gibt es nur ungern wieder her - und es geht ja auch seltenst von alleine kaputt.

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Der angebotene Exposure X hat mich aus England völlig intakt erreicht, wegen des besseren Klangs und der Gewährleistung habe ich alle Verschleißpunkte vorbeugend aktualisiert (Elkos) und die Spannungsversorgung genau eingestellt.
Das Gerät wollte dann ein Kunde zusammen mit meinem Exposure CD-Spieler kaufen, nur ist dem etwas dazwischen gekommen.
Für ihn hatte ich bereits den Phono-Eingang auf Gleichstrom-freie JFET-Eingangstransistoren umgestellt (das klingt etwas sauberer, da keine Vormagnetisierung im System stattfindet - ansonsten ist an der Platine nichts geändert, die selektierten Transistoren lassen sich auch ohne großen Aufwand in bipolare Typen zurück tauschen).
Was ich geändert habe ist die Strombegrenzung - die ist ohnehin nur proforma im Gerät und hilft laut Herrn Farlowe nur gegen Kurzschlüsse in Ruhelage (Lautstärke abgedreht und an den Kabeln gespielt...). Sie ist aber mit gutem Grund so harmlos und klangneutral ausgelegt, dass bei Kurzschlüssen unter Last Endstufe und vor allem Regel-Treiber sterben können. Also wozu dann denke ich mir, überhaupt drinnen lassen, man muß ja doch Kurzschlüsse vermeiden - und ohne Strombegrenzung klingt der Verstärker tatsächlich souveräner. Also sind bei diesem Exemplar die Koppeldioden der Strombegrenzung entfernt und dieser Schaltungsteil dadurch abgeschaltet. Die Dioden kann ich mit liefern, doch die führt jeder Elektronik-Laden oder Versender für ein paar Cent, die lohnen nicht wirklich aufzuheben - zumal der Typ auf der Platine an der Fehl-Stelle aufgedruckt ist - samt Polung. Würde ich aber weg lassen - ist immerhin völlig reversibel.

Phono-Platinen kann ich mehrere verschiedene anbieten, gebe aber pro Verstärker immer nur eine her. Auf Wunsch kann der Käufer diese nachträglich tauschen oder anpassen lassen. Sehr bewährt hat sichdie Modifikation auf Gleichstrom-freie Eingänge, indem man die galvanisch gekoppelten, bipolaren Eingangstransistoren mit zwei Pärchen selektierten, rauscharmen JFET-Transistoren ersetzt. Dazu kann man noch den Verstärkungsfaktor und die Eingangsimpedanz nach Wunsch bestücken, im letzten Fall z.B. für High-Output-MC, 47kOm, 470pF, Verstärkung 8.

Klang

Der Xer war Farlowes erster Exposure-Serien-Vollverstärker. Und es gibt einige unter meinen Kunden, die ihn auch für den besten halten - dieselben, die die erste Version des XVer dem XV-Super vorziehen. Und dieser Gemeinde schließe ich mich inzwischen an. Theoretisch hätten die Nachfolger immer besser werden sollen, doch hier ist am meisten "gefeilt" worden, die Abstimmung ist sorgfältig anhand der technischen Gegebenheiten "individuell" durchgeführt - dagegen wurde auf die Nachfolger einiges 1 zu 1 übertragen, ohne es neu anzupassen. Wie so oft wurde daher das Erstlingswerk trotz einiger Haken und Ösen zum großen Wurf, in der Rückschau kann man das getrost behaupten. Ich hatte letztes Jahr (2012) die Gelegenheit einen komplett revidierten X frisch vom Tisch gegen einen in gleicher Weise schon etwas länger bearbeiteten XV vergleichen zu können, das Ergebnis war für mich zu dem Zeitpunkt tatsächlich unerwartet: der Xer hat dem XVer komplett die Butter vom Brot genommen. Mehr Rauschen, mehr Einschalt-Plopp, mag sein, aber auch die bessere Staffelung, der sauberere Gesamteindruck, die größere Lebendigkeit, mehr Farbe...

Und es gibt dafür bei genauerer Betrachtung wirklich handfeste Gründe: der Xer hat den einfachsten Aufbau und zusammen mit dem ersten XVer die größere "Untersetzung" im Netzteil - das heißt: Stromlieferfähigkeit bis zum Abwinken. Es sind im Netzteil 20A-Transistoren, in den Endstufen 15A-Typen am Werk, alle können nochmals ein Vielfaches dieser Werte in extrem kurzen Transienten liefern, ohne gleich defekt zu gehen - und das merkt man in der lockeren Ausstrahlung der Xer. Nebenbei ist auch das Gehäuse das hochwertigste, auch wenn es noch so unscheinbar daher kommt.

Wie oben schon bemerkt: dieses Gerät ist ein vollkommener Überflieger. Dynamik, Rhythmus und tonales Feingefühl machen dem Namen Exposure alle Ehre. Der Abstand zu keinen Exposure Vor-End-Kombis (XVII / XVIII Stereo) ist denkbar gering, das Preis-Leistungs-Verhältnis absolut unübertroffen. Und so überarbeitet wie hier, können Sie sich damit für die nächsten 30 Jahre gemütlich einrichten.

Für Ihr Gerät:

Revision zum Fixpreis verfügbar

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Name: Duane Harber

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